Beschreibung einer Veranstaltung für Jugendliche und die sie umgebenden Erwachsenen.
(Autorin : Daniela Germann, RS-Lehrerin in Kornwestheim)

Suchtprävention Klassen 7a, 7b, 7c, 7d



Liebe 7er-Kollegen,

die „Drogeneisenbahn“ machte am Dienstagabend in der RS in Ilsfeld halt und ich bin hingefahren, um mir unser Vorhaben genauer anzuschauen. Was ich gesehen habe übertraf meine Erwartungen und ich bin vom Konzept der „Drogeneisenbahn“ vollends überzeugt. Ich denke, dass wir unseren Schülern Gutes damit tun. Der Vortrag ist lebendig und orientiert sich an der Lebenswelt der Jugendlichen. Sie werden ernst genommen und wie nachmittags zu Hause vor dem Fernseher mit einem ausgeklügelten Infotainment-Programm unterhalten aber auch ausführlich informiert.

Hier ist für euch ein „kurzer“ Abriss der Veranstaltung:

Die Veranstaltung war für eine siebte Klasse organisiert. Es war eine Pflichtveranstaltung und jeder Schüler musste einen Eltern- oder erwachsenen Geschwisterteil mitbringen. Es war für 60 Personen aufgestuhlt.Betrat man den Raum, so nahm man zuerst die bunten Leuchtstoffröhren am Boden wahr und einen süßlich-duftigen Geruch einer (handelsüblichen) Duftkerze. (Als die Schüler nach und nach den Raum betraten waren Äußerungen wie „Das sieht ja nach Disko aus!“ und „Hey, hier riecht’s ja schon nach Drogen!“ zu hören.)Die Reise beginnt auf dem Info-Bahnhof. Herr Schulze zeigt Fotos aus seinem Wohnort zur Faschingszeit. Überall liegen leere Flaschen herum. Hinterlegt wird die Diashow mit jugendtypischem Rap, den die Jugendlichen ja hören. Anschließend sieht man Fotos aus einem Mallorca-Urlaub. In Souvenirläden gibt es T-Shirts, „süße“ Stofftiere und anderen Krimskrams, der jeweils dasselbe darstellt: einen kiffenden Rasta-Mann mit einem Joint in der Hand.
Kann so etwas verboten sein, wenn es so öffentlich zur Schau getragen wird?Die Gruppe erreicht nun den Bio-Bahnhof. Wie kommen Drogen in unseren Körper? -Feststellung: Wenn die Droge einmal in meinem Körper ist, dann ist sie da drin. Ich kann sie auch durch Erbrechen nicht mehr los werden. Sie übernimmt die Kontrolle über mich und sie entscheidet, wann sie mich wieder frei gibt. Es folgen die Stationen „Wie lange dauert es bis eine Droge wirkt? „Wie beeinträchtigen Drogen mein Denken, Handeln und Fühlen?“. Dieser Punkt wird sehr ausführlich behandelt (Polizeivideo, Spinnenversuch, Pupillenbilder, Wirkung eines LSD-Rausches, die Geschichte vom Ameisenmann – nach einer wahren Begebenheit, Vom Weg in die Sucht, Der Suchtgeist, Einflüsse auf dich)Die Drogeneisenbahn legt eine kurze Pause ein, sodass sich die Reisenden im Speisewagen stärken können. (Pause!)
Dann geht die Reise weiter zum Drogenbahnhof. Es werden legale und illegale Drogen angesprochen und genauer betrachtet: Tabak, Alkohol, Schnüffelstoffe, Cannabis und Ecstasy.
Anschließend unterbricht der Lokführer die Reise und die Reisenden begeben sich auf einen Landausflug, denn entlang den Schienen liegt allerlei Unrat: man begibt sich in einen Nebenraum und findet ein buntes Sammelsurium an „Drogenutensilien“. (Ich kann euch sagen, das war sehr interessant – manche Utensilien hätte ich eher als Campingwerkzeug deklariert!!!) So sieht man folierte Cannabisblätter, mehrere Wasserpfeifen, Haschischmühlen, verschiedene Pfeifen, eine Marionette, Bauteile eines Joints, verschiedene Energy-Drinks und vieles mehr.
Dann steigt man wieder ein und fährt ins Fundbüro. Hier trifft man auf ganz unterschiedliche Situationen und Vorfälle, die jedoch alle etwas mit Drogen zu tun haben. Ein emotional sehr krasses Fundstück sind die Gedanken eines „Unschuldig sterbendes Mädchen“ (Sehr bewegend – Taschentücher einpacken!!)
Nach diesem (hoffentlich heilsamen?)Schock erfolgt still eine Überleitung zu einer Diashow, die die gemeinsame Reise noch Mal anhand von Bildern Revue passieren lässt.
Die Schüler-Eltern-Gruppe ist danach auseinandergegangen. Ich möchte an dieser Stelle jedoch unbedingt in eine Diskussionsrunde einsteigen, um den Schülern und auch Eltern die Gelegenheit zu geben, ihren Gedanken und Gefühlen Raum zu verschaffen.



Unsere Planung

Ich habe mich am Freitag mit Herrn Schulze zusammen gesetzt. Da er „Die Reise mit der Drogeneisenbahn“ als Privatinitiative neben seinem Job als Polizeibeamter betreibt, ist es ihm nur schwer möglich uns vor- oder nachmittags zu besuchen. Das heißt, wir müssen es auch als Abend-Pflichtveranstaltung organisieren.
Herrn Schulze ist es ein besonderes Anliegen, dass die Eltern miteinbezogen werden. Den Schülern sind „Drogenutensilien“ leider oft bekannt, nicht aber uns Erwachsenen. (Jede Wette: ich habe im Ausstellungsraum mehr Neues gesehen, als die meisten der Schülerinnen und Schüler!) Die „Drogeneisenbahn“ soll mehr oder weniger einen Wissensgleichstand der Beteiligten zur Folge haben. Wenn die Schüler und ihre Eltern nach dem Abend nach Hause gehen, stehen sie auf der selben Informations- und Wissensebene und haben so auch eine Basis, sich weiter über dieses Thema im Kreis der Familie zu unterhalten.
Bei der Veranstaltung in Ilsfeld war für 60 Personen aufgestuhlt. Das entspricht auch gleichzeitig der Obergrenze für Schülerveranstaltungen (30 Schüler + ein Elternteil). Wenn es mehr Personen sind ergeben sich unter anderem folgende Nachteile:
a) erhöhte stimmliche Belastung des Referenten
b) die Leinwand reicht von der Größe nicht mehr genügend aus
c) der einzelne Schüler kann in der Masse untertauchen à „ich bin ja nur einer von vielen, mich geht das Thema ja gar nicht so viel an,...“